KI reduziert Komplexität in der Gebäudetechnik
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Ausgangslage: Unstrukturierte Anforderungen als Planungsaufwand
Die BIMEXPERTS GmbH ist ein international tätiges Unternehmen in der TGA-Planung* (Technische Gebäudeausrüstung). In der Praxis starten viele Projekte mit umfangreichen Anforderungen von Bauherren, Investor*innen oder Architekt*innen – häufig in Word-Dokumenten oder unstrukturierten PDF-Dateien. Diese Inhalte müssen von Techniker*innen manuell gelesen, interpretiert und in strukturierte Informationen überführt werden, damit sie als Planungsbasis genutzt werden können. Je nach Projektgröße umfasst die technische Beschreibung zwischen 50 und 100, bei komplexen Gebäuden auch bis zu 400 Seiten; inklusive Anhängen können es mehrere tausend Seiten sein.
Projektansatz: KI zur Strukturierung technischer Anforderungen
Vor diesem Hintergrund setzte BIMEXPERTS ein KI-Projekt um, das die automatische Vorstrukturierung dieser Unterlagen erproben sollte. Der Umsetzungspartner Sclable wurde über den aws KI-Marktplatz gefunden. BIMEXPERTS suchte dort gezielt nach Unternehmen mit Bezug zur Bau- und Gebäudetechnik. Ausschlaggebend war unter anderem ein bereits umgesetztes, thematisch verwandtes Projekt von Sclable im Bauumfeld.
Umsetzung: Wissenstransfer, Datensicherheit und Validierung
Früh wurde deutlich, dass der Erfolg des Projekts nicht allein von der technischen Umsetzung abhing. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand darin, fachliches Verständnis aufzubauen: Begriffe der Gebäudetechnik, physikalische Zusammenhänge und die Logik der Planung mussten zwischen den Projektpartnern zunächst übersetzt und gemeinsam geschärft werden. Parallel dazu entstand ein System, das Informationen aus umfangreichen, unstrukturierten Dokumenten segmentiert und annotiert, um relevante Inhalte besser extrahieren zu können. Um Vertraulichkeit und Datensicherheit zu gewährleisten, wurde die Lösung on premise umgesetzt. Zugleich wurden Ergebnisse wiederholt überprüft und ihre Herleitung möglichst nachvollziehbar gemacht.
Erkenntnisse: Die Komplexität der Gebäudetechnik setzt KI derzeit noch Grenzen
Der ursprüngliche Pain Point ist bis heute nicht vollständig gelöst. Anforderungen liegen je nach Gebäudetyp und Projektkontext in sehr unterschiedlichen Formaten und Strukturen vor, was verlässlich strukturierte Daten weiterhin erschwert. Hinzu kam der höhere Aufwand einer On-Premise-Umsetzung. Die zentrale Erkenntnis: KI kann den Prozess unterstützen, fachliche Prüfung und menschliche Expertise aber noch nicht ersetzen.
Auch wenn kein unmittelbar einsatzfähiges Produkt entstanden ist, war der Erkenntnisgewinn für BIMEXPERTS erheblich. Das Vorhaben half dabei, internes Verständnis für KI aufzubauen, Vorbehalte im Unternehmen abzubauen und neue Entwicklungspfade sichtbar zu machen. Auf dieser Basis werden heute KI-Ansätze weiterverfolgt und in die eigene Produktentwicklung integriert.
*Zur TGA-Planung zählen u.a. Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär, Stark‑ und Schwachstrom, Sprinkleranlagen sowie Mess‑, Steuer‑ und Regelungstechnik.